Claudias Karpatentour

Transkarpaten-Ukraine-Expedition

Wie kann man die folgenden Bilder am besten beschreiben?

– 6 herrliche Tage im April 2018.
– Zusammen mit größeren Brüdern, wie Landy und Nissan.
– 7-8 Stunden Offroad täglich.
– 448,39 km Gelände, von dicht an der Schneegrenze, bis hinunter in ursprüngliche Dörfer und Täler.
– Geschlafen im Biwak, irgendwo sicher auf der Strecke.
– Gekocht über Feuer, gewaschen im Bach.
– Steinig, matschig, staubig, waldig, wild, ursprünglich und steil.

Jimny on Tour

Wenn ich diesen Bericht hier beende und die Bilder für sich sprechen lasse, könnte man denken, da wäre schon jemand jahrelang Offroad unterwegs gewesen. Und dann wäre selbst das hier, eine relativ gewöhnliche Geschichte.
Aber, dem ist nicht so.

Noch vor 10 Monaten dachte ich nicht im Traum daran einmal hinter dem Steuer eines Geländewagens zu sitzen, geschweige denn ein solches Gefährt mein Eigen zu nennen. Unter: „leg die Sperre rein“ verstand ich das Kommando für die Arretierung einer Schließanlage der Strafvollzugsanstalt.
Ich hatte ebenfalls keine Ahnung davon, dass man sich in ein Auto „verlieben“ kann.
Denn, ich kannte damals den Jimny noch nicht!

Dann kam eine Serie diverser „Zufälle“, welche dazu führten, dass ich mich bei Toyota zu einem Informationsgespräch, vor einem würfelförmigen Suzuki wiederfand. Dabei war mein alter Wagen noch nicht einmal kaputt. Ich höre noch, wie der Verkäufer zu mir sagte: „Sie brauchen den Wagen nicht wirklich, aber wenn Sie ihn nehmen, so wie Sie drauf sind, sehe ich es kommen, dass dieser Jimny ihr Leben nachhaltig verändern wird.“
Wie recht er doch hatte !

Es war dann Liebe auf der ersten Probefahrt.
Alles, wovor mich andere gewarnt hatten, das Wackeln und die Feinfühligkeit Unebenheiten gegenüber, ich mochte es einfach sofort.
Bei der 2. Probefahrt bin ich in ein Feld gefahren und es war gänzlich um mich geschehen.

Als ich das Würfelchen kurze Zeit später mein Eigen nannte, war mir ziemlich schnell klar, dass ich ihn richtig ausprobieren musste, und dass er ein Unikat werden sollte. Daher entwarf ich ein Design und ließ ihn folieren. Auch gut gegen Kratzer vom Unterholz, wie sich später noch herausstellen sollte.

Aber erst einmal kam ein höheres Fahrwerk dran und ich buchte mir schon 3 Wochen nach dem Kauf, einen Termin für 2 Stunden Einzelunterricht im Mammutpark. Wie gesagt, ich war ja absoluter Offroad-Laie. Mein Lehrer erkannte wohl gleich mein Talent und puschte mich mit den Worten „der Wagen kann mehr und der Wagen will mehr!“
So habe ich das Baden im Schlamm regelrecht lieben gelernt und kam nach ein paar Tagen mit einer großen Wunschliste und Plänen nach Hause, die ich dann über den Winter Stück für Stück umgesetzt habe und verbauen ließ. Dabei erwies sich der Kontakt zu dem alten Freund meines Bruders als hilfreich, der selbst eine gute Allradwerkstatt hat. Er montierte für mich nicht nur Etliches, sondern weckte meine Neugier zu entdecken, wie so ein Geländewagen funktioniert.

Nun wohne ich am Niederrhein. Wie das Wort schon andeutet, ist die Landschaft hier schön eben und übersichtlich.
Und absolut frustrierend für Offroader.
So führte mich meine Sehnsucht nach Gelände quer durch die Weiten des Internets, wo ich schließlich verschiedene Offroad-Reiseveranstalter fand.
Aber nicht jeder wollte mich gleich jubelnd auf eine Tour mitnehmen.
Das liegt nicht nur daran, dass ich eine allein- und selbstfahrende Frau und blutige Anfängerin bin, sondern auch eine leichte Gehbehinderung bzw. Muskelschwäche habe.
Daher stießen meine Anfragen bei einigen Touranbietern zunächst auf Zurückhaltung.
Man meinte sogar, ich solle lieber Sightseeingtouren machen, mit nettem Essen, auf Schlössern, Burgen und Aussichtspunkten. So wie es sich für „alte Leute“ gehört. Womöglich noch mit SUV´s. Also eben all das, was ich doch so langweilig finde!

Irgendwie hatte mich der Offroad-Virus aber richtig erwischt. Daher ließ ich mich davon nicht wirklich beirren, schaute mich weiter um und fand Fotos von 4×4-TERRA.
Diese erinnerten mich gleich an meine tolle Zeit unterwegs mit den Pfadfindern.
Da diese Touren aber in grobes Gelände führen und sehr abenteuerlich anmuteten, wagte ich nach meinen ersten Erfahrungen zunächst nicht dort anzufragen.

Wie es der Zufall aber wollte, kam ich über Kommentare in Gruppen, mit Alex, dem Chef von 4×4-TERRA ins Gespräch. Bald zeigte sich, dass er sich mit der Vorgehensweise auf seinen Touren, sehr flexibel auf die Möglichkeiten der mitfahrenden Autos und vor allem auch Teilnehmer einstellen kann. Er gab mir technische Hinweise zur Ausstattung und Aufrüstung meines Wagens, so dass er mich schließlich davon überzeugen konnte, mit ihm eine Tour zu wagen.

Ich buchte also eine 6-Tages-Transkarpaten-Ukraine Expedition.

Als wir dann endlich unterwegs waren, gab es für mich gar keine Zeit mehr viel nach zu denken. Man lebt einfach immer von Moment zu Moment. Kaum Gelegenheit nach rechts oder links zu schauen, denn der Blick ist stets gerichtet auf die Unwegsamkeiten der Strecke. Die Route wurde mit ortsansässigen Führern gut geplant und die Fahrstrecke flexibel gehalten, immer auch die jeweiligen Wetter und Wegverhältnisse im Auge behaltend, so dass man vor der Dunkelheit einen sicheren Platz für ein Lager finden konnte. Somit fühlte ich mich, trotz oft sehr gefährlicher Passagen, allzeit sicher.
Darüber hinaus lernte ich, wie man den Jimny im bergigen Gelände fährt und habe meine eigenen Schwachpunkte beim Fahren nun auch besser im Blick.

Meine Einschränkung wurde gar nicht erst zum Problem, da die Aufgaben verteilt wurden, so wie es jeder konnte. Daher musste ich z.B. auch nie den Weg frei sägen, obwohl ich es auch gerne mal probiert hätte.

Es wurde eine tolle Fahrt. Learning by doing.
Unter toller Anleitung und mit super Service rundum. Ich war noch 2 Wochen danach wie auf Droge. Adrenalin pur, reines Vergnügen, Abenteuer und Kameradschaft.

Mein Traum? So etwas mal in einer Gruppe mit mehreren Jimnys zu erleben. Das wäre schon toll.

Zum Schluss gilt mein Dank vor allem Alex von 4×4-TERRA für die grandiose Tour und den Mut, auch mich mitzunehmen. Danke auch an Benedikt von Hillbilly Engineering für die gute Beratung und Teilebeschaffung. Und schlussendlich Danke an Hansi von der Allradwelt in Dinslaken, für die vielen Stunden Arbeit und Erklärung.

Claudia

Video zur Tour

Zur Verfügung gestellt von

Alle Bilder, Videos und Texte unterliegen dem Urheberrecht und wurden „The Jimny Diaries“ zur Verfügung gestellt.
Text & Bilder: Claudia Schwitters
Weitere Bilder & Video: Alex Kelle (4x4terra)
Redaktionelle Bearbeitung: Stefan Roth (The Jimny Diaries)